Das Jahndenkmal beim Turnerheim

In Österreich gab es Anfang 2004 ganze 88 Jahndenkmäler, aber keines in Neumarkt. Obmann Gerald Stutz nahm das Jubiläumsjahr 2004 zum Anlass, ein eigenes Neumarkter Jahndenkmal zu stiften. Monatelang suchte er nach einer guten Idee für das Denkmal und beim Turnverein Spitz/Donau wurde er fündig, unser Jahndenkmal sollte ganz ähnlich werden. Es wurde Kontakt mit dem Künstler Prof. Freilinger aufgenommen, der ein Jahnrelief aus Bronze anfertigen sollte, im Jänner 2004 war dieses fertig.

Im März 2004 wurde im Steinbruch der Schärdinger Granitwerke ein passender Granitstein ausgesucht und Steinmetzmeister und Mitglied KR Johann Ganglmair fertigte das Denkmal dann schlussendlich an. Auf einem Betonfundament wurde es dann im Juni fertig montiert und bei einer großen Feier am 26. Juni 2004 feierlich eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Tbr. Günter Atzmanninger, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretene ehemalige Bundesobmann und Ehrenbundesobmann des ÖTB. Er hatte auch in jahrelanger Arbeit eine Dokumentation über alle Jahndenkmäler in Österreich erstellt und so wussten wir, dass unser Denkmal das 89. in Österreich ist.
Im Anschluss daran wurde von den vier heimischen Musikkapellen der „Große österreichische Zapfenstreich“ gespielt. Nach einem tollen Feuerwerk gegen 22.00 Uhr begann die Band SAM aus Kallham für die musikalische Umrahmung des anschließenden Sommernachtsfestes zu spielen.

Festrede des ehemaligen Bundesobmanns des ÖTB Günter Atzmanninger:

Geschätzte Ehrengäste, Festgäste, Turnerinnen und Turner, liebe Turnerjugend!

Denkmale stellen ein Zeichen der Erinnerung dar. Sie sind wichtige Bezugspunkte zum Verständnis der Vergangenheit. Das Wort „Denkmal“ gilt als eigenständige Schöpfung Martin Luthers, der 1523 im Alten Testament, zweites Buch Moses, das griechische Wort „MNEMOSYNON“ beziehungsweise das lateinische „MONUMENTUM“ mit Denkmal übersetzte.

Eine frühe Definition des Denkmalbegriffes kommt aus dem 18. Jahrhundert von Johann Martin Chladenius (Theologe und Rektor der Universität Erlangen): „Denkmal ist ein Ding, welches Kinder veranlasst, ihre Eltern nach Ursach und Bedeutung zu fragen“
Ich betrachte Sie jetzt als Fragende nach „Ursach und Bedeutung“ und will darauf antworten.

Dr. Dr. Friedrich Ludwig Jahn gilt weltweit als der Vater des Turnens der modernen Zeit.
1778 in Lanz bei Lenzen, das liegt an der Elbe auf halber Strecke zwischen Wittenberge und Hamburg, geboren, wirkte er in Berlin und verstarb 1852 in Freiburg an der Unstrut – liegend zwischen Weimar und Leipzig. Politisch war es die Zeit der Herrschaft Napoleons, des darauf folgenden Wiener Kongresses, sowie die Herrschaft des Fürsten Metternich. Seine berufliche Stellung war die eines Lehrers und Privatgelehrten.
Aus der ursprünglich spielerischen Beschäftigung mit der Jugend erwuchs seine pädagogische Idee, körperliche Ertüchtigung, Turnen wie er es als Wortschöpfer bezeichnete, als ein vorzügliches Bildungsmittel für die Jugend einzusetzen.
Er eröffnete den ersten Turnplatz der Welt am 19. Juni 1811 auf der Hasenheide bei Berlin. Das Verständnis von Turnen ist in seinem Buch über die Deutsche Turnkunst, das er gemeinsam mit seinem Schüler Eiselen herausbrachte, schriftlich niedergelegt. Mit seiner Idee vom Turnen legte er den Grundstein zur Entwicklung von Turnvereinen, die sich durch ihre gesellig, soziale Einstellung, die pädagogisch gesundheitlichen Programme, die Partnerschaftlichkeit der Geschlechter und die ethische Handlungsnorm, durch den von ihm belebten Turnerwahlspruch „Frisch, fromm, fröhlich, frei“, auszeichnen.
Friedrich Ludwig Jahn ist der Ausgangspunkt, dass es vor 100 Jahren zur Gründung des Turnvereines Neumarkt kam. Die Erfolge, das ausgezeichnete Vereinsleben des ÖTB Neumarkter Turnvereins und sein hoch anerkanntes Engagement für die Bevölkerung der Gemeinden Neumarkt und Kallham haben ihre Wurzeln in seinen Ideen.
Das sind „Ursach und Bedeutung“ für dieses Denkmal. Bis heute sind in Österreich 88 Jahndenkmale erhalten.

Zur Ausführung dieses Denkmals:
Planer: Walter Dürnberger, Neumarkt
Denkmal: Schärdinger Granitstein, ca. 1,5 Tonnen
Jahnrelief: vom Kremser Künstler Prof. Hans Freilinger
Endfertigung inkl. bronzene Schrift: Steinmetzmeister und Mitglied KR Johann Ganglmair aus Kallham

Gemeinsam mit dem Obmann, Vizebürgermeister und Turnbruder Gerald Stutz, dem großzügigen Denkmalspender, darf ich dem Verein und der Bevölkerung das 89. Jahndenkmal in Österreich übergeben. 

Bilder der Entüllungsfeier am 26. Juni 2004: